NABU Tiere Mauereidechsen

Trockenmauern - Ersatzbiotope für Felsenbewohner - Mauereidechse (Podarcis muralis)

von Dagmar Schwarz aus dem Jahr 2002

In unserer, an freiliegenden Felswänden armen Landschaft, stellen Natursteinmauern wertvolle Ersatzhabitate für die felsbewohnende Fauna und Flora dar. Vor allem Stützmauern, die Böschungen und steile Hänge befestigen und heute noch das das Bild mancher Weinbergslandschaft prägen, sind oft voller Leben.

An sonnenexponierten Hängen errichtet, stellen sie Wärmeinseln dar, die sich ähnlich wie natürlicher Fels tagsüber aufheizen und nachts die gespeicherte Sonnenenergie nur langsam wieder abgeben. So konnten sich in manchen Weinbergsgebieten Arten ansiedeln, die sonst nur im sonnigen Süden vorkommen.

Das fugenreiche Mauerwerk bietet Insekten, Eidechsen und anderen Kleintieren geeignete Nahrungs-, Versteck- und Überwinterungsplätze. Licht- und wärmeliebende Felspflanzen, die sich mit kleinen Humusansammlungen in den Mauerritzen begnügen und spezielle Anpassungen gegen Austrocknung entwickelt haben, stoßen hier auf weniger Konkurrenz als auf feuchten, nährstoffreichen Böden, wo ihnen raschwüchsige, nährstoffliebende Arten keine Chance lassen.

Natursteinmauern werden heute leider oft durch sterile, häßliche Betonmauern ersetzt. Auch durch vollständiges Verfugen und Verputzen verlieren Trockenmauern ihren Wert als Lebensraum. Infolgedessen ist eine ganze Lebensgemeinschaft in ihrer Existenz bedroht, denn ausweichen können die meisten der an dieses Biotop angepaßten Arten nicht.

Vielen Mittelmeerurlaubern sind die flinken kleinen Eidechsen Südeuropas vertraut, denn in großer Zahl sind sie für die dortige Landschaft charakteristisch. Sie gehören alle zu der artenreichen Gattung der Mauereidechsen , die nördlich der Alpen nur mit einer Art, der Gewöhnlichen Mauereidechse (Podarcis muralis), vertreten sind – der Südländerin unter unseren Eidechsen.

Da auch diese südländische Temperaturen liebt, ist sie bei uns auf wärmebegünstigte Standorte, nämlich das Rheintal einschließlich einiger Nebenflüsse und auf die Donau bei Passau, beschränkt. Noch vor wenigen Jahrzehnten konnte man die Mauereidechse überall dort finden, wo Weinbau betrieben wurde. Heute ist sie von vielen Weinbergsmauern verschwunden und kommt in Hessen nur noch an vereinzelten Stellen im Rheingau und am Neckar vor. Neben der Beseitigung fugenreicher Trockenmauern und der Verbuschung ehemals sonniger Flächen wird als Ursache für ihren Rückgang die schleichende Vergiftung durch Biozidspritzungen in den Weinbergslagen vermutet.

Die Mauereidechse ist unsere agilste Eidechse. Mit ihrem kleinen flachen und leichten Körper kann sie selbst engste Spalten im Mauerwerk oder Fels passieren und ist zu ausgezeichnetem Klettern, sogar an überhängendem Fels, fähig. So hat sie auch in ihrem Lebensraum, wie Mauern und Gesteinsabraumflächen, von anderen Eidechsenarten keine Konkurrenz zu fürchten. Bei hochsommerlichen Temperaturen ist sie fast ständig in Bewegung. Sie huscht geschickt am Gemäuer entlang, ruht meistens nur kurz zum Sonnenbaden und erbeutet auf ihrer Jagd nach Freßbarem selbst schnelle Spinnen und springkräftige Heuschrecken.

Aufgrund ihrer Gewandtheit haben Mauereidechsen nur wenige natürliche Feinde. Wiesel, Spitzmäuse und Greifvögel gehören ebenso dazu wie die Schlingnatter. So manche Mauereidechse entkommt ihrem Feind durch das Abwerfen ihres Schwanzes. Das abgeworfene Stück zuckt und windet sich einige Zeit, so daß der Angreifer abgelenkt wird und die Eidechse entfliehen kann. Die Schwanzwirbel der Eidechsen haben eine vorgebildete Bruchstelle, an der durch ein kräftiges Zusammenziehen einiger Muskeln des betreffenden Abschnittes die Schwanzspitze abgeworfen werden kann. Nach dem Verheilen der Wunde bildet sich ein neuer Schwanz, der aber immer kürzer als ein unversehrter Schwanz bleibt und eine abweichende Färbung und Beschuppung aufweist.

Anders als die anderen heimischen Eidechsenarten können Mauereidechsenweibchen mehr als nur einmal im Jahr Eier ablegen. In unseren Breiten kommt es häufig zu zwei, in außergewöhnlich warmen Sommern sogar zu drei Gelegen mit je 2 bis 10 Eiern, während in Südeuropa die Zahl der jährlichen Gelege noch größer sein kann. In Sommern mit langen Regenperioden können die Eier oftmals jedoch nicht heranreifen. Da Mauereidechsen durchschnittlich aber nur fünf Jahre alt werden, können mehrere ungünstige Sommer hintereinander einen bedrohlichen Bestandsrückgang bewirken und kleinere Populationen sogar zum Erlöschen bringen.

 

Merkmale der Gewöhnlichen Mauereidechse:

 Körperbau:      

Zierlich, sehr schlank; Rumpf und Kopf leicht abgeflacht; Maul spitz; Körper fein beschuppt; Gesamtlänge max. 19 cm, davon 2/3 Schwanz

 Färbung:            

Oberseite sehr variabel, meist graubraun, nicht selten mit einem Stich ins Rötliche oder Grünliche, oft mit schwarzen Flecken oder (vor allem bei adulten Männchen) mit schwarzer, netzartiger Zeichnung überzogen. Flanken mit breitem Band aus dunklen Flecken, das nach oben und unten hell abgesetzt ist. Bauch und Kehle bei mitteleuropäischen Tieren weißlich, gelblich bis orange.

Paarbildung: März bis Juni

Eiablage:                  

In der Regel 1 Monat nach der Begattung (in Mitteleuropa meist im Mai). Meist 2-10 Eier in selbstgegrabenen Höhlen, Mauerspalten oder unter Steinen versteckt.

Eientwicklung:        

50 bis 80 Tage, Schlüpflinge 5 – 6 cm Länge; erscheinen schwerpunktmäßig Ende Juli bis Mitte August.

Schließen