NABU Pflanzen Die Weinbergstulpe

Die Weinbergstulpe - eine duftende Insekten- und Bienenblume

von Josef Nägler und Dr. Jürgen Hoffmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Weinbergstulpe (Tulipa sylvestris) ist ein gelber Frühlingsbote mit großer Seltenheit und mit besonderen Ansprüchen an Boden und Klima sowie an die Bodenbearbeitung. Vorkommen gab es früher in einigen Rheingauer Weinbergslagen. Nun ist sie fast restlos verschwunden, was wohl auf die veränderte Bodenbearbeitung und auf den Einsatz von Herbiziden zurückzuführen ist. In einem inzwischen lange aufgegebenen Weinberg in Geisenheim in der Lage Kosakenberg und im angrenzenden Schlosspark der Grafen von Ingelheim befand sich ursprünglich ein Standort. Die Annahme liegt nahe, dass sie sich damals von dort weiter verbreitet hat.

Vor Jahren wurden in der Geisenheimer Weinbergsgemarkung an verschiedenen Stellen mit unterschiedlichem Erfolg wieder Anpflanzungen vorgenommen. Eine Schülergruppe des Rheingaugymnasiums sowie Mitglieder der Lokalen Agenda „Gruppe Erlebnisraum Weinberg“ brachten 2006 die Zwiebeln aus. Sie haben bis heute die Entwicklung sowie die Weiterverbreitung beobachtet.

Die Wildtulpe wird in die Familie der Liliengewächse eingeordnet. Auch wenn es der Name suggeriert, ist sie nicht die Stammform der Gartentulpe. Heimat sind die östlichen und nördlichen Mittelmeerländer. Bei uns ist sie spätestens seit dem 16. Jahrhundert eingebürgert. In Deutschland genießt sie den Schutz der Bundesartenschutzverordnung. Dadurch steht sie auf der roten Liste als stark gefährdet, ist besonders geschützt und darf weder gepflückt noch ausgegraben werden. Also nur fotografieren!

Übrigens: die Wildtulpe war Blume des Jahres 1983.

Mit ihren sechs langen, gelben, zugespitzten Kronblättern ist sie eine der wenigen Tulpenarten, welche einen wohlriechenden Duft hat. Es handelt sich um eine leicht giftige und rebholde Weinbergspflanze. Je nach Standort wird die ausdauernde Zwiebelpflanze 20 – 40 cm hoch. Bevorzugt werden feuchte (besonders im Frühling) sowie steinarme Lösslehmböden mit warmem Klima. Schwierigkeiten hat die Pflanze mit Staunässe und Wühlmäusen.

Eine stärkere Verbreitung erfährt die Tulpe in der Pfalz am Weinlehrpfad Edenkoben und in Mörzheim Nähe Landau. Im altfränkischen Weinberg bei Randersacker wurde sie eingesetzt. Der einzige natürliche Standort mit großen Ausmaßen in Deutschland ist der Weinberg auf dem Lieberg bei Gau-Odernheim in Rheinhessen. Dort veranstaltet die Naturschutzgruppe jedes Jahr Ende April zu Ehren des Blütenwunders ein Wildtulpenblütefest, in diesem Jahr am Sonntag, den 22. April. Der Weg zu den Wildtulpen in den Weinbergen ist ausgeschildert.

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